Home

Gründonnerstag - die "Einsetzung" des heiligen Abendmahls?

Gründonnerstag - die "Einsetzung" des heiligen Abendmahls?

Fritz von Uhde, Abendmahl, 1868, Stuttgarter Staatsgalerie:

Der Maler verlegt das Abendmahl in eine norddeutsche Stube. Alle sitzen um einen Tisch herum, ausschließlich Männer. Als das Bild zum ersten Mal ausgestellt wurde, gab es Proteste. Die Tischrunde schien den  Betrachtern zu "gewöhnlich". Man hatte sich bis bis dahin den Schülerkreis Jesu stets mit "Heiligenschein" vorgestellt. Hier aber sitzen alltägliche und recht bäuerliche Typen beieinander.
Nur so, wie Fritz von Uhde das Abendmahl in seine eigene Zeit holt, kann Tradition allein lebendig bleiben. Eine konservierte Tradition ist eine tote Tradition.

 

In den Evangelien ist wiederholt von Tischgemeinschaften die Rede. An solchen habe Jesus teilgenommen. Da sieht man ihn zwar als Gast in fremden Häusern, jedoch wird gemeinsames Essen und Trinken im eigenen Kreis zum Alltag gehört haben. Ein zentralers Symbol dafür ist das bekannte Gleichnis vom Großen Gastmahl als Bild von Jesu Reich-Gottes-Vorstellung. Ganz anders dagegen wird von einem Mahl erzählt, das am letzten Abend seines Lebens stattgefunden haben soll ...

Und als sie aßen, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.
Markus-Evangelium 14, 22-25

Die Worte, die Jesus hier im Evangelium spricht, konnte er zu Lebzeiten nicht gesprochen haben. Denn sie deuten seinen Tod aus einer späteren Perspektive. Vom "Blut des Bundes" hat Jesus nie gesprochen; das Wort "Bund" war ihm fremd. Auch redete er mit seinen Gleichnissen anders vom "Reich Gottes". Hier, im Markus-Evangelium wird dieses Reich Gottes in das Jenseits verschoben, während Jesus es in dieser Welt beginnend verstand.
Die Überlieferung vom letzten Abendmahl, wie sie bei Paulus, Markus, Matthäus und Lukas zu lesen sind, stellen keine Berichte dar. Sie sind vielmehr Ausdruck von Mahlfeiern und deren Veränderungen in den frühen christlichen Gemeinden, wenn man so will: Jesusgemeinden. Und man weiß: Nicht alle diese (Abend)Mahlfeiern hatten den Tod von Jesus in dieser Weise im Sinn oder daran angeknüpft. Das ist vielmehr eine Sicht, die vor allem Paulus in Antiochia gewonnen hatte:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis.  Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn,
bis er kommt.

1. Korinther 11, 23-26

Neben solchen Schilderungen der frühchristlichen Mahlfeiern gib es andere, die sich deutlich davon unterscheiden: Weder knüpfen sie an den Tod von Jesus an, noch verstehen sie das Abendmahl als Einsetzung eines Gedächtnisses. Die "Zwölfapostellehre", die im palästinischen Raum entstand, beschreibt ein richtiges Mahl mit Brot und Wein. Der mit dieserm Mahl verbundene Dank an Gott gab der Feier den Namen Eucharistia.

So sollt ihr Dank sagen: Zuerst über den Becher: Wir danken dir, unser Vater, für den Messias. Er ist der heilige Weinstock aus König Davids Geschlecht ... Dann über das geteilte Brot: Die Körner dieses Brotes wuchsen, jedes für sich, auf den Höhen heran: Erst durch das Sammeln wirden sie ein Laib. Ebenso sammle deine Gemeinde aus allen Gegenden der Erde, dass sie eins werde in deinem Reich.

Einen sog. Einsetzungsbericht sucht man vergeblich. Was Paulus und Markus als eine von Jesus vor seinem Tod "eingesetzte" Gedächtnisfeier schilder, war demnach nicht überall bekannt, nicht einmal im 2. Jahrhundert. Die Vorstellung von einem "letzten Abendmahl", das diesen Tod Jesu verkünden soll, der "für unsere Sünden gestorben ist", entstand erst in hellenistischen Gemeinden (~griechischer Kontext). Jesus verstand seine Tischgemeinschaft als Symbol für das Reich Gottes und leider ist dieser Ansatz nicht lebendig geblieben.

(aus und nach: Hubertus Halbfas, Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern)

Voriger Beitrag Zurück zur Übersicht Nächster Beitrag